Frauenfußball wird in Deutschland immer beliebter. Der dynamische Mitgliederzuwachs der letzten Jahre sowie die große Zuschauerresonanz und das enorme Medieninteresse während der WM in Deutschland belegen die wachsende Popularität. Aktuelle Karten verdeutlichen die jüngsten Entwicklungen und gegenwärtigen Strukturen.

Die aktuellen Mitgliederzahlen der Spitzensportverbände (olympische Sportarten) belegen, dass Fußball nach Turnen bei den Mädchen und Frauen der beliebteste Sport ist (DOSB 2011; Graphik 1). Mehr als eine Million weibliche Mitglieder, davon fast 340.000 Mädchen unter 16 Jahren, verzeichnet inzwischen der Deutsche Fußballbund (DFB) – mit ansteigender Tendenz (Glossar). So stieg die Zahl der weiblichen Mitglieder zwischen 2001 und 2010 um 208.000 (darunter 128.000 Mädchen); dagegen verlor beispielsweise der Deutsche Tennis-Bund zeitgleich 184.000. Ein Grund für die dynamischen Zuwächse im Mädchen- und Frauenfußball liegt sicherlich in den zahlreichen Erfolgen des deutschen Frauenteams bei den Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen, während der Rückgang im Frauentennis sicherlich auch auf die ausgebliebenen Erfolge und das gesunkene Medieninteresse nach der Ära Steffi Graf zurückzuführen ist.

Gesamtentwicklung
Viele Fußballvereine haben auf den wachsenden Zuspruch reagiert und zahlreiche Mädchen- und Frauenteams neu gegründet. So gibt es mittlerweile (2011) insgesamt über 13.000 Teams – doppelt so viele wie noch vor sieben Jahren; allein die Zahl der Mädchenteams stieg in diesem Zeitraum von 3.400 auf fast 8.000 (Graphik 2). Nach einer aktuellen Studie der Deutschen Sporthochschule Köln gibt es 7.900 Fußballvereine und damit mehr als 30% aller Clubs, die mindestens ein Frauenfußballteam haben – „die meisten im Bereich der Juniorinnen und Mädchen“ (Deutsche Sporthochschule Köln 2011).

Regionale Unterschiede
Doch nicht überall in Deutschland ist das Fußballspielen unter Mädchen und Frauen gleichermaßen beliebt. Traut man den offiziellen Zahlen, so weisen die west- bzw. süddeutschen Landesverbände Westfalen, Mittelrhein, Südbaden und Bayern die höchsten Mitgliederzahlen auf (bezogen auf die weibliche Bevölkerung), während die ostdeutschen Landesverbände deutlich hinterherhinken (Karte 2). Auffällig ist zudem, dass in den neuen Ländern der Anteil der Frauenteams deutlich höher ist als der der Mädchen. Dies könnte sich jedoch in den nächsten Jahren ändern, sollten sich im Regionalverband Nordost die hohen Zuwachsraten der letzten Jahre weiter fortsetzen (Karte 3).

Den höchsten Anstieg zwischen 1997 und 2010 verzeichnete der Regionalverband West (Landesverbände Westfalen, Mittelrhein, Niederrhein) mit 300 Prozent: So wuchs der Mitgliederbestand in diesem Zeitraum um über 66.000 auf aktuell rund 100.000 Mädchen unter 16 Jahren. Diese Entwicklungen schlagen sich auch im Anteil der weiblichen Mitglieder nieder. Zu den stärksten „Frauenverbänden“ zählen demnach die Landesverbände Westfalen und Rheinland, wo inzwischen mit 23 bzw. 23,3% fast jedes vierte Mitglied weiblich ist (Karte 4).

Bundesliga-Fußball
Nachdem der DFB 1989 beschlossen hatte, eine Bundesliga für Frauen einzuführen, wurde mit der Saison 1990/91, zunächst zweigeteilt in Nord und Süd, der Spielbetrieb mit jeweils 10 Vereinen aufgenommen. Mit der Spielzeit 1997/98 wurden die beiden Ligen zu einer zusammengeführt, die bis heute aus 12 Teams besteht. Insgesamt spielen in der 1. und einer geteilten 2. Bundesliga 36 Vereine (Karte 1). Die 12 Teams der 1. Liga verteilen sich relativ homogen innerhalb Deutschlands, mit einer leichten Konzentration in den westlichen Regionalverbänden mit den höchsten Mitgliederzahlen.

Die erfolgreichsten Frauenfußballclubs kommen aus Frankfurt, Potsdam und Duisburg, die in ihren aktuellen Kadern einen überdurchschnittlich hohen Anteil ausländischer Nationalspielerinnen haben. 48 ausländische Spielerinnen aus 18 Staaten, davon sechs außerhalb Europas, verzeichnet inzwischen die 1. Liga (Transfermarkt 2011). Ein ausgeprägter regionaler Bezug ist beim FC Bayern München zu erkennen, wo die sechs ausländischen Spielerinnen aus den Nachbarländern Österreich und der Schweiz stammen; ähnliches gilt für den FC Freiburg, wo fünf Spielerinnen aus der Schweiz und aus Frankreich kommen.

Ausblick
Ob sich das frühe Ausscheiden des deutschen Teams bei der Weltmeisterschaft bereits im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Japan negativ auf die Entwicklung auswirken wird, ist eher unwahrscheinlich. Nach einer Umfrage der Deutschen Sporthochschule Köln, die vor der WM stattfand, planen mehr als 11 Prozent der Fußballvereine noch in diesem Jahr die Gründung eines Frauenteams (Deutsche Sporthochschule Köln 2011).

Der deutlich gestiegene Ausländerinnenanteil in der 1. Bundesliga auf fast 20 Prozent (überwiegend Nationalspielerinnen) kann zudem als Indikator für zunehmende Qualität und Professionalität im Frauenfußball gewertet werden. Ein wachsendes mediales Interesse ist schon jetzt zu erkennen: Erstmals in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs wird am ersten Spieltag der 1. Liga ein Spiel live im Fernsehen übertragen.

BODE, Volker (2007): Frauenfußball im Aufschwung. In: Nationalatlas aktuell 1 (09.2007) 1 [25.09.2007]. Leipzig: Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL).
URL:
http://aktuell.nationalatlas.de/Frauenfussball.2_09-2007.0.html

DEUTSCHE SPORTHOCHSCHULE KÖLN (Hrsg.): 7.900 Fußballvereine haben eine Frauenmannschaft. Frauenfußball-Befunde aus Sicht der Fußballvereine. (Pressemeldung Nr.: PM1144 vom 24. Juni 2011).
URL:
https://www.dshs-koeln.de/wps/portal/de/home/institutions/press/aktuelles/pressemeldungen/pm1144?WCM_PORTLET=PC_7_FJ40KI420O1V7029ET9NJF08I5_WCM&WCM_GLOBAL_CONTEXT=/wps/wcm/connect/de/home/institutions/press/aktuelles/pressemeldungen/pm1144
Abrufdatum: 08.07.2011

DFB (Deutscher Fußballbund) (Hrsg.) (2011a): DFB-Statistik Mitgliederzaheln (Frauen und Mädchen). Frankfurt a.M.

DFB (Deutscher Fußballbund) /Hrsg.) (2011b): DFB-Statistik Mannschaften (Frauen und Mädchen): Frankfurt a.M.

DFB (Deutscher Fußball-Bund) (Hrsg.) (2011c): Mitglieder-Statistiken.
URL:
http://www.dfb.de/index.php?id=11015
Abrufdatum: 27.05.2011

DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) (2011): Bestandserhebung 2010. Aktualisierte Fassung vom 15.12.2010.
URL:
http://www.dosb.de/de/service/download-center/statistiken/
Abrufdatum: 08.07.2011

DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) (2001): Bestandserhebung 2001.
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http://www.dosb.de/de/service/download-center/statistiken/
Abrufdatum: 08.07.2011

HANEWINKEL, Christian (2009): Zuschauermagnet Fußball-Bundesliga. In: Nationalatlas aktuell 5 (06/2009) [11.06.2009]. Leipzig: Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL).
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n-tv (n-tv Nachrichtenfernsehen) (Hrsg.) (2011): DFB-Frauenstatistik stark geschönt. Boom ist nur ein Boomchen; v. 12.07.2011. (Interview mit Hans-Jürgen Schulke).
URL:
http://www.n-tv.de/sport/FrauenFussballWM/Der-Boom-ist-nur-ein-Boomchen-article3789501.html
Abrufdatum: 01.07.2011

SCHULKE, Hans-Jürgen (2011): Frauenfußball spielt mit falschen Zahlen. In Hamburger Morgenpost v. 06.07.2011.
URL:
http://www.abendblatt.de/sport/fussball/article1947894/Frauenfussball-spielt-mit-falschen-Zahlen.html
Abrufdatum: 01.07.2011

StÄdBL (Statistische Ämter des Bundes und der Länder) (Hrsg.) (2011): Bevölkerungsstand – Stichtag 31.12. – regionale Tiefe: Kreise und krfr. Städte. In: Regionaldatenbank Deutschland.
URL:
https://www.regionalstatistik.de/genesis/online/logon
Abrufdatum: 01.06.2011

TRANSFERMARKT (Hrsg.) (2011): Das Frauenfußball-Portal. Hamburg.
URL:
http://www.soccerdonna.de
Abrufdatum: 16.08.2011

Bildnachweis
Briefmarke der Deutschen Post AG zur Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011, Entwurf Henning Wagenbreth

Zitierweise
Bode, Volker und Christian Hanewinkel (2011): Frauenfußball in Deutschland. In: Nationalatlas aktuell 8 (08/2011) [17.08.2011]. Leipzig: Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL).
URL:
http://aktuell.nationalatlas.de/Frauenfussball.8_08-2011.0.html

Dipl.-Geogr. Volker Bode
Leibniz-Institut für Länderkunde
Redaktion Nationalatlas aktuell
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Dipl.-Geogr. Christian Hanewinkel
Leibniz-Institut für Länderkunde
Schongauerstr. 9
04328 Leipzig
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Als Datengrundlage für die Karten und Graphiken wurden die offiziellen Mitgliederzahlen des Deutschen Fußballbundes (DFB) und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) verwendet.

Der Sportsoziologe Schulke geht davon aus, dass rund 400.000 Sportlerinnen „von ihren Vereinen aus Kostengründen als Fußballerinnen an die Verbände gemeldet“ werden und lediglich 650.000 bis 700.000 Frauen und Mädchen aktiv Fußball spielen (Schulke 2011; n-tv 2011).